Akt III: die Rückwand


Die Gestaltung der Rückwand ist meines Erachtens der mit Abstand kreativste Part beim Bau eines Terrariums.

Ein Terrarium ohne Rückwand ist wie ein untapeziertes Zimmer. Außerdem erhöht eine gut strukturierte Rückwand die Bewegungsfläche der Bewohner, bietet Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten und Ansätze für die Bepflanzung. Genau genommen handelt es sich hier nicht nur um die tatsächliche Rückwand, der Begriff steht stellvertretend für alle Seiten, die entsprechend verkleidet werden, für die Bahamaanolis in diesem Projekt auch beide Seitenwände.

Um mir das Leben nicht zu einfach zu machen, hatte ich - entgegen der Empfehlung einiger Forenmitglieder - beschlossen, die Rückwand nicht flächig mit dem Korpus zu verkleben, sondern nur an den Rändern. Bei Parasitenbefall, Krankheit oder Umgestaltungswünschen könnte nur die Rückwand ausgetauscht werden.
Basis der Rückwand bildete eine Konstruktion in U-Form, die (zu diesem Zeitpunkt!) nur ein, zwei Millimeter Spielraum im Korpus hatte. Das U wurde mit PU-Kleber aus 3cm starken Styroporplatten zusammengeklebt.

Da die Rückwand ja keine geschichteten Steinformationen imitieren sollte, war es mit relativ einfachen horizontalen Plattformen nicht getan. Um die Struktur der zuerst verklebten Plattformen zu kaschieren, mussten "Äste" und "Wurzeln" eingearbeitet, um die Ebenheit der Fläche zu durchbrechen etliche, möglichst skurrile Bruchstücke aufgeklebt werden. Später stellte ich fest, dass sich das Styropor viel einfacher mit (abgebrochenen) Zahnstochern anstecken lässt.

Der rechte Winkel am Übergang zum Korpus wurde mit einem Teppichmesser eliminiert. Die Kombination von Schneiden und Brechen generierte hier eine herrliche Unebenheit.

Leider habe ich kein Bild von der Sauerei, die beim Schneiden und Brechen von Styropor entsteht. Die kleinen Bruchstücke und einzelnen Kügelchen laden sich statisch auf und haften dann hartnäckig an Kleidung, Möbeln, Boden etc. Um dem ein wenig entgegenzuwirken, wurden daher die Schnitt- bzw. Bruchkanten sofort mit der Heißklebepistole verschweißt. Eine wirklich saubere Angelegenheit wurde es trotzdem nicht. Es empfiehlt sich, so etwas besser nicht in der Wohnung zu machen.

Da trotz aller Mühen sich der rein plastische Eindruck von Ast- und Wurzelwerk wegen der vielen Ecken und Kanten nicht so recht bilden wollte, wurden schwerere Geschütze aufgefahren: Montageschaum. Eine Warnung: das Zeug klebt wie Sau! Möglichst auch hier draußen agieren. Der Bauschaum macht zwar wunderbare "Wurzeln" aber leider auch viele viele Verstecke ausschließlich für Futtertiere.
Nach dem Aushärten offenbarte sich ein kleines Problem: an etlichen Stellen war die Schwerkraft doch stärker (oder schneller?) als die Klebekraft des Bauschaums. Noch mehr "Futtertierhöhlen"! Nach mehreren Iterationen der Phasen "Bauschaumen" und "Quill&Härte" sollte diese Problem halbwegs gelöst sein. Den Rest musste der Fliesenkleber erledigen.

Wie man sieht, hatte ich für diese Tätigkeiten meine eigene Empfehlungen beherzigt und den Arbeitsplatz ins Freie verlagert.

Was aber war das dort im Bild für ein weißer Steg im vorderen Teil der Rückwand? Ein Versuch, die weitaus größere Katastrophe zu mindern, möglicherweise sogar zu korrigieren. Entweder der rigide Einsatz der Heißluftpistole zum Deformieren der geraden Flächen und Verschweißen der Bruchkanten oder das vollständige Aushärten des PU-Klebers hatte das Rückwand-U so verzogen, dass aus den ursprünglich einheitlichen ein, zwei Millimetern Luft zwischen Rückwand und Korpus an den Spitzen des Us - also dem vorderen Teil der Seitenwände - 10 bis 15 Millimeter geworden waren. Zuviel, um das später mit Silikon zu schließen. Die Modularität der Rückwand drohte zu scheitern. Der Styroporsteg drückte die Seitenwände auseinander und ich hoffte, das der Fliesenkleber nach dem Aushärten diese Position fixieren würde ...
Leider hielt der flexible Fliesenkleber, was er versprach und gab der Spannung des Trägers nach. Also erst mal weiter, das Problem musste später gelöst werden ...

Die letzte Schicht des Fliesenklebers stark verdünnt und schon mal mit brauner Abtönfarbe gemischt (Wie man sieht wieder inhouse, im April scheint halt nicht immer die Sonne).
Bewaffnet mit diversen Abtönfarben, mehreren Pinseln einem Pappteller zum Mischen und - ganz wichtig - viel Wasser begann der Picassoabschnitt. Damit die Farben auf der Rückwand schön verlaufen, wurde selbige zunächst mit eine Blumenspritze ordentlich ein gewässert. Dann wurde schwarze mit brauner Farbe gemischt, grüne mit schwarzer, das Resultat wieder mit brauner, Mischung A mit Mischung B, usw. usw. ... Die aufgetragenen Farben wurden zwischendrin immer mal wieder mit Wasser besprüht, um harte Übergänge tunlichst zu vermeiden.

Doch was in nassem Zustand noch halbwegs ansehnlich war, erinnerte im abgetrockneten Zustand eher an das Camouflage eines russischen Panzers. Trotz intensiver Wässerung verblieben an vielen Stellen, insbesondere an den Rändern der Rückwand, relativ scharf abgegrenzte Farbflecke.

Entweder saugte der Fliesenkleber die Feuchtigkeit zu stark auf oder aber - und das hielt ich für plausibler - durch das starke Wässern verlor die Farbe gerade an den Rändern der Aufbringung enorm an Deckkraft, was jedoch zunächst wegen der Abdunkelung durch das Wasser nicht auffiel.

Also nochmal das Dunkelbraun ausgepackt, satt über die komplette Rückwand gekleistert und mit ein paar Spritzern Wasser gezielt an einigen Stellen dann doch wieder aufgeweicht, damit das Camouflage eine Chance bekommt, deutlich entschärft zur Geltung zu kommen. Das Ergebnis nach dem Abtrochnen war auf den ersten Blick reichlich dunkel, bei entsprechender Beleuchtung aber gar nicht mal so schlecht.
Zeit für den Chemiebaukasten! Um die Rückwand wasserdicht zu bekommen und zudem noch gegen allesfressende Futtertiere abzuhärten, musste eine Versiegelung her. Die Wahl fiel auf das von vielen Terrarianern hochgelobte Epoxidharz. Die Einzelkomponenten sind jedoch - wie unschwer an den vielen orangefarbenen Warnsymbolen zu erkennen - gar nicht ohne! Haut- oder gar Augenkontakt sollten unbedingt vermieden werden. Zudem sind Folgen eines von der Vorgabe abweichenden Mischverhältnisses u.a. unvollständiges Aushärten und/oder lange Abgabe giftiger Dämpfe. Mal abgesehen von der Gesundheitsgefährdung könnte man die Rückwand dann wohl in die Tonne treten!

Weitere Anschaffungen war daher neben einer Digitalwaage mit Tara-Funktion Einweghandschuhe, Wegwerfpinsel und durchsichtige Kunststoffbecher. Eine Schutzbrille war von den Arbeiten mit der Stichsäge bereits vorhanden.

Obwohl das Harz durchsichtig ist, erschien die Rückwand noch einen Tick dunkler, Farbunterschiede konnte man eigentlich kaum noch erkennen, zudem hatte die Rückwand nun eher einen unnatürlichen Plastik-Look als den von nassem Holz.
In einem letzten Arbeitsgang drückte ich nun auf eine zweite noch klebrige Schicht Epoxidharz Weißtorf in der Hoffnung, dass dort später Moos wachsen würde. Vom ursprüglichen Farbspiel war nun endgültig nichts mehr zu sehen. Den Spass hätte ich mir nach jetzigem Stand sparen können.

Letzendlich muss sich zeigen, wie sich die Rückwand im fertigen Terrarium macht, wenn üppige Bepflanzung und natürlich auch die Bewohner von Unzulänglichkeiten ablenken ...