Akt II: der Lichtkasten


Wenn frei von der Decke baumelnde, mehr oder weniger nackte Lampen oder gar einfach auf der Gaze aufliegende Leuchtstoffröhren ihren Zweck wohl erfüllen, in einem eigenen Raum oder Keller also durchaus angemessen sind, so sind sie für meinen Geschmack in einer Wohnumgebung jedoch reichlich unattraktiv. Daher sollte möglichst viel der Elektrik unsichtbar bleiben, sprich in einem Lichtkasten verschwinden.
Der Grundaufbau des Lichtkastens folgte dem gleichen Prinzip wie bereits der Korpus selbst: die sichtbaren Teile, also auch der Deckel, aus zugeschnittenen Buche-Regalböden, die Rückseite aus günstiger Hartfaserplatte.

Auch hier muss ich einem Mitarbeiter des Baumarkts mal wieder das Vertrauen entziehen: die Stirnseite des Deckels gerät im ersten Zuschnitt ein wenig zu hoch. Dann schafft es der Spezialist doch tatsächlich, bei der Korrektur mit einer Bandsäge an einer Seite einen minimalen Bogen zu sägen. Da er beim unmittelbaren Nachmessen jeweils einige Zentimeter vom Rand entfernt gemessen hatte, fiel dieser Lapsus zunächst nicht auf. Erst beim Zusammenbau bzw. dem späteren Aufsetzen auf den Korpus bemerkte ich diesen kleinen Spalt.

Vielleicht sollte ich doch besser den Kauf einer günstigen (Tisch-)Kreissäge in Betracht ziehen, viel schlechter bekomme ich das bestimmt auch nicht hin!

So what! Belüftungsflächen im Deckel und der Rückwand und Zusammenbau analog zum Korpus ...
Der interessante Part am Lichtkasten aber ist definitiv die Elektrik/Beleuchtung selbst. Und hier kommt das Sparbrötchen raus! Die Anschaffungskosten für das Material sind mehr oder weniger eine einmalige Ausgabe, die man (in ungeahnter Höhe) auch mal verschmerzen kann. Ausgaben für Pflanzen sollten, wenn das Habitat erst einmal eingefahren ist, auch keine dauerhafte Belastung sein, sonst läuft etwas falsch. Gleiches gilt selbstverständlich für die Bewohner selbst! Was also sind die laufenden Kosten? Futter, klar, da kommt man nicht drum herum. Strom! Bei den ständig steigenden Preisen kein unwesentlicher wirtschaftlicher Faktor (siehe unter Planung)!

Viele Beiträge im WWW zu diesem Thema kamen mir wie Materialschlachten von prolligen 3er BMW-Fahrern vor, deren Stromkosten ohnehin brav von Papi übernommen werden. Heller, wärmer, geiler! (Und schon wieder ein Paar Freunde verloren). Dass die Kerlchen (die Anolis, nicht die BMW-Fahrer) natürlich nicht bibbernd im Dunkeln verkümmern sollten, war mir allerdings klar.

Nach teils hitzigen Forumsdiskussionen musste ich mir eingestehen, dass ich auch hier um gewisse (Watt-)Notwendigkeiten nicht herumkomme. An der Stelle ist ein dickes ernstgemeintes "Danke" an alle Diskussionsteilnehmer des Forums mehr als angemessen. Mitgenommen habe ich weiterhin, dass es leider keine Formel gibt, die bei Angabe der Terrarienmaße und den geplanten Bewohnern eine Stückliste der benötigten/empfohlenen Lampen aus dem Hut zaubert.

Meine Wahl viel auf die folgenden Lampen:
  • 1 x Bright Sun Jungle 50W für die UV-Versorgung
  • 2 x 24W T5-HO mit Reflektor für die Grundbeleuchtung
  • 2 x hochvolt Halogen-Spots 35W für Wärmeinseln
Um alle drei Beleuchtungen getrennt geschaltet zu können und um bei Abnahme des Lichtkastens nicht im Kabelgewirr zu ersticken, sollten die Stromversorgung über drei Kaltgerätestecker direkt am Lichtkasten erfolgen.


Und jetzt: Elektriker weggeschaut!

Beim Befestigen der Kaltgerätestecker mit Holzschrauben erwies sich die Rückwand aus gewichtsreduzierender Hartfaserplatte als ungeeignet. Daher mussten 14mm-Vierkantleisten (Reste des Gazerahmens) von innen kontern.

Nicht sehr schön, hatte aber den Vorteil, dass damit gleichzeitig ein Befestigungssteg für den Kabelkanal entstand, der die offenen Kontakte der Stecker gegen Spritzwasser schützt.
Da die Kabelführung des Keramiksockels für die Bright Sun auf der Unterseite ist, wurde dieser auf ein schwer entflammbares (Rest-)Stück Hartfaserplatte verschraubt und auf Vierkantleisten (ja, ja, auch wieder Reststücke) mittig im Deckel befestigt.

Das elektronische Vorschaltgerät (EVG) der Lampe ist ohnehin schon spitzwassergeschützt, wurde also ohne weitere Abdeckung direkt im Deckel verschraubt.

Ein Kabelkanal in U-Form sollte zum einen Träger der IP67-Sockel der T5-Leuchtstoffröhren sein, zweitens die doch etwas aufwendigere Verkabelung der Röhren mit dem Vorschaltgerät verschwinden lassen (der ureigenste Zweck eines Kabelkanals eben) und drittens als Spritzwasserschutz des EVGs selbst dienen.

Um die Litzen in die IDC-Kontakte des T5-EVG stecken zu können, mussten sie zunächst mit Lötzinn versteift werden. Das gleiche Prozedere war auch hilfreich beim Einfädeln in die G5-Scockel der Leuchtstoffröhren.
Ob die lose Kabelführung, insbesondere der einfach isolierten Kabel der T5-Verschaltung, in Konflikt mit möglicher Abwärme des T5-EVGs gerät, muss die Praxis zeigen. Bei einem ca. einstündigen Probelauf ist es gerade mal handwarm geworden, trotzdem erwäge ich zumindest im Bereich des EVGs einen kleinen Kabelkanal parallel zu verlegen, das erscheint mir sauberer.
Auf die Befestigung der Spots links und rechts von der Bright Sun bin ich besonders stolz. Die GU10-Sockel wurden ähnlich wie schon bei der UV-Lampe auf Hartfaserplatte befestigt. Diese wiederum wurden mit zwei Winkeln am Deckel verschraubt. Die Verschraubung mit dem Deckel ergibt eine Achse, die Verschraubung der zwei Winkel untereinander eine weitere dazu orthogonale Achse. Mit genügend Spiel bei der Verkabelung können die Spots somit in jedem beliebigen Winkel ausgerichtet werden.

Um unabhängig von einem Trafo zu sein, wurde für die Spots bewusst die Hochvoltvariante gewählt. Dies erleichtert den Austausch gegen Exemplare mit höherer Wattzahl, wenn mit den 35W-Spots nicht genug Wärme erzeugt werden kann (was sich nach ersten Tests schon abzuzeichnen scheint)
Geschaltet werden die drei Beleuchtungselemente jeweils durch getrennte Baumarktzeitschaltuhren. Als Steckerleiste wurden Aufputzsteckdosen in Reihe verkabelt und auf ein Regalbrett geschraubt. Zwischen die Selfmade-Steckerleiste und Netz wurde noch eine FI-Schutzdose gehängt.

Sicher ist Sicher ...